Das postkoloniale Klassenzimmer

Die Publikationsreihe von ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘. In der Publikation wird die Kolonialgeschichte mit Bezügen und Kontinuitäten zur Gegenwart thematisiert.

Über die Publikationsreihe Bausteine

„In der Publikationsreihe Bausteine werden von Wissenschaftler:innen, Pädagog:innen und Publizist:innen pädagogische und gesellschaftspolitische Aspekte der Frage diskutiert, wie eine dem Schutz der Würde aller Menschen verpflichtete Schule verwirklicht werden kann.“

In der Publikation wird die Kolonialgeschichte mit Bezügen und Kontinuitäten zur Gegenwart thematisiert. Denkanstoß zur Bearbeitung der Themen  geben folgende Gedanken und Fragen der Publikation (S. 51f.):

Die Vielheit der Schulklassen kann eine Ressource sein, um die neuralgischen Punkte der Erinnerungskultur mit der zukünftigen Bevölkerung der Republik zu diskutieren. Wie kann an die Shoah, den Kolonialismus und die vergessenen Opfer der Vernichtungskriege so erinnert werden, dass kein Wettbewerb oder eine Verdrängung entsteht? Wie verhalten wir uns zu einem „nationalen Erbe“, das auf Ausbeutung basiert? Wie gehen wir mit Raubgut um, das in deutschen Museen liegt, und wie mit den Forderungen nach Reparationen und Rückgaben? Das betrifft Forderungen aus europäischen Ländern wie Griechenland ebenso wie solche aus Übersee, etwa von den Nachfahren der Völkermordopfer in Namibia. Schließlich: Wie finden wir einen Umgang mit den eigenen Privilegien und den globalen Ungleichgewichten, die eine Folge der europäischen und westlichen Sklaverei und Kolonialherrschaft sind? Die Geschichte des Imperialismus und die Erinnerung an vergangenes Unrecht „betrifft“ tatsächlich alle Schüler:innen, und das Interesse daran ist auch enorm. Nicht nur, weil es sich um ein weniger präsentes Thema der Geschichte handelt, sondern auch, weil sich aus Vergangenheit eine Verantwortung ableitet, individuell wie kollektiv.

Oder Facebookeintrag von Mark Terkessidis 3. Dez. 2021:

Das postkoloniale Klassenzimmer
Neue Publikation von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
In vielen deutschen Schulklassen hat die Mehrheit der Schüler*innen mindestens ein Elternteil, der eingewandert ist. Sie bringen eine Vielfalt an biografischen Bezügen in die Schulen, die historische Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen lassen. Was heißt das für den Unterricht? Welche alten und neuen Perspektiven sollen in den Lehrplänen beispielsweise für die Fächer Geschichte, Geografie und Kunst berücksichtigt werden?
In dem neuen Baustein „Das postkoloniale Klassenzimmer“ betrachtet der Autor Mark Terkessidis das Klassenzimmer als Knoten in einem Netzwerk transnationaler Geschichten, in denen Imperialismus, Kolonialgeschichte und Nationalsozialismus tiefe Spuren hinterlassen haben. Er widmet sich blinden Flecken der deutschen Erinnerungskultur wie beispielsweise Deutschlands Rolle bei der gewaltsamen Eroberung Lateinamerikas oder dem Mord an mindestens 150.000 Menschen in den damaligen Kolonien Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwest. Der Autor plädiert dafür, auch Polen, das 150 Jahre von Preußen und später vom Deutschen Reich besetzt war, in die Kolonialismusdebatte einzubeziehen. Terkessidis zeigt, dass der deutsche und europäische Kolonialismus die Machtverhältnisse und die globale Verteilung von Reichtümern bis heute grundlegend prägen, und er liefert konkrete Hinweise, wie man sich mit alldem im Unterricht auseinandersetzen kann.

Unsere Empfehlung

In dieser von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage als Baustein herausgegebenen Publikation thematisiert der Migrationsforscher Mark Terkessidis die Kolonialgeschichte Deutschlands. Er arbeitet Bezüge und Kontinuitäten zur Gegenwart heraus, die im Unterricht mit Schüler:innen thematisiert werden können.

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