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Woher kommt der Hass? – Kontinuität von sozialer Ausgrenzung und Gewalt

Datum, Uhrzeit & Sprache der Veranstaltung

Mi. 28. Februar 2024 | 19:00 – 23:59 Uhr (Präsenz, München)

Deutsch

„Auch über 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs existieren Leerstellen in der deutschen Erinnerung an den Nationalsozialismus. Das Leid zehntausender Menschen, die als ‚Asoziale‘ und ‚Berufsverbrecher‘ verfolgt wurden, rückt erst allmählich in das öffentliche Bewusstsein. Erst im Februar 2020 erkannte der Deutsche Bundestag sie als Opfer des Nationalsozialismus an.Diese späte Anerkennung ist Teil einer langen Geschichte von Ausgrenzung und Diskriminierung.

In seinem Vortrag und im anschließenden Gespräch mit Anja Scheifinger (Bayerischer Rundfunk) fragt Frank Nonnenmacher nach Ursachen, Erscheinungsformen, Kontinuitäten und Brüchen sozialrassistischer Verfolgung – vom Nationalsozialismus bis in die Gegenwart. Wer waren die Opfer? Welche Ideologien steckten hinter Verfolgung und Ausgrenzung? Was sorgte für die Kontinuität der Verfolgung nach 1945, für das jahrzehntelange Schweigen und die ausbleibende Anerkennung?

Frank Nonnenmacher ist em. Professor am Schwerpunkt Didaktik der Sozialwissenschaften und der Politischen Bildung der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 1. Vorsitzender von vevon – Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus und setzt sich seit Jahren für die Anerkennung und Sichtbarkeit von sozialrassistisch Verfolgten des NS-Regimes ein.

Die Veranstaltung ist Teil des Gedenkprogramms Gegen das Vergessen. 40 Jahre rechtsterroristischer Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool der Landeshaupstadt München

Die Münchnerin Corinna Tartarotti war 20 Jahre alt, als sie am 27. April 1984 nach monatelangem Überlebenskampf ihren schweren Verletzungen erlag. Sie fiel dem Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool in der Schillerstraße 11 a zum Opfer, verübt von Rechtsterroristen der Gruppe Ludwig am 7. Januar 1984. Mindestens sieben weitere Personen wurden zudem teils schwer verletzt. Insgesamt ermordeten die Täter*innen im Zeitraum von 1977 bis 1984 mindestens 15 Menschen, die meisten davon in Norditalien, und verletzen viele mehr. 1984 vermuteten die Münchner Ermittler*innen und Boulevardmedien die Drahtzieher*innen des Anschlags zunächst im Rotlichtmilieu, dem sie das Liverpool zurechneten. Rechtsextreme Strukturen wurden selten oder spät von Behörden und Öffentlichkeit in den Fokus genommen. Und das, obwohl der Rechtsterrorismus in den 1980er Jahren auf einen neuen Höhepunkt zusteuerte und dutzende Todesopfer forderte. Zu den Opfern der Gruppe Ludwig zählten überwiegend sozialrassistisch diskriminierte Menschen. Sie sind auch heute nur selten Teil des öffentlichen Gedenkens.“

Sprecher:innen / Personen

Frank Nonnenmacher
Anja Scheifinger

Kosten

kostenfrei

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